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Mathias Rieder
Präsident GLP Kloten.


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Auf ihrer Webseite schreibt die Grüne Partei Kloten man solle den Kandidaten der SVP in die Schulbehörde wählen: "... Gemäss freiwilligem Proporz über alle Kommissionen" habe die SVP "Anspruch auf den zweiten freien Schulpflegesitz, deshalb unterstützen wir Fred Anton, SVP ...".

Proporz bedeutet, dass alle Parteien ungefähr gemäss ihrer Stärke in den Kommissionen vertreten sind. Warum aber hat zum Beispiel die glp noch keinen Sitz in irgendeiner Behörde, wo sie doch bei den Kommunalwahlen immerhin 7.1% der Stimmen hatte? Und bei den Nationalratswahlen vor 3 Monaten waren glp und jglp mit 8.9% immerhin die drittstärkste Partei in Kloten -

Die Grünen leiten für sich sowie für die SVP den Anspruch aus den Kommunalwahlen von 2006 her - Als die beiden Parteien entsprechende Stimmenanteile hatten, heute trifft dies nur noch für die SVP zu.

Wie kann sich aber ein Anspruch im Jahr 2012 auf die Wahlen von 2006 beziehen?

Die Kommissionen werden gleichzeitig mit dem Gemeinderat gewählt: Vor der Wahl setzen sich alle grossen Parteien in Kloten zusammen und "verteilen" die Kommissionssitze unter sich, gemäss den Anteilen der letzten Wahlen 4 Jahre vorher. Danach wird eine Liste pro Behörde erstellt, die von allen Parteien unterstützt wird - und im Allgemeinen werden alle auf dieser Liste gewählt. Jemand, der nicht auf dieser Liste ist, kann sich wohl zur Wahl stellen, könnte sogar das absolute Mehr erreichen (wie Nina Hake 2010 bei der Wahl in die Sozialbehörde), fällt aber als überzählig weg, weil alle auf der "offiziellen" Liste mehr Stimmen haben. Wird ein Sitz während einer Amtsperiode frei (wie jetzt zwei Schulräte), dann hat dieselbe Partei Anspruch auf diesen Sitz.

Proporz ist sinnvoll, denn verschiedenen Wählergruppen sollten in Kommissionen etwa gleich vertreten sein. Es ist aber nicht sinnvoll, Proporz auf bis zu 8 Jahre alte Zahlen zu beziehen. Wenn die Mehrheitsverhältnisse stark ändern, sollten Anpassungen möglich sein. Warum beziehen sich die Erneuerungswahlen auf 4 Jahre alte Verhältnisse? Wären die Behördenwahlen nicht gleichzeitig, sondern kurz nach den allgemeinen Kommunalwahlen, dann wäre eine viel aktuellere Vertretung möglich.

Zudem sollte es auch möglich sein, dass eine parteilose Person, sofern gut qualifiziert, in Behörden gewählt werden kann.

Ausserdem "riecht" die gemeinsame Liste sehr stark nach Filz: Warum stimmt man überhaupt ab, wenn sich schon alle Parteien im vorgängig einig werden? Da hat der Bürger doch gar keine Wahl mehr! Wenn eine Partei einen Kandidaten einer anderen Partei empfiehlt, dann würde ich erwarten, dass die Partei den Kandidaten genau angeschaut hat, als gut qualifiziert befindet und auch Teile des Gedankengutes der Partei vertritt.

Der "freiwillige Proporz" ist in ihrer heutigen Form nicht mehr zeitgemäss und muss überdacht werden.
Die glp Kandidatiin Nina Hake wurde am 11.03.2012 gewählt, ganz entgegen dem "freiwilligen Proporz" - und das noch mit dem besten Ergebnis aller Kandidaten.
 
 
Die Initiative «Ja! Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» stösst bis jetzt auf breite Ablehnung bei den meisten Parteien, Verbänden und Organisationen.

Auch die glp hat intern eine Diskussion zum Thema lanciert und auch hier stösst die Initiative mehrheitlich auf Ablehnung - Erwähnte Gründe:
1) Bei einer freien Schulwahl würden sich die Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen Schulen stark erhöhen: Alle, die es sich leisten können würden ihre Kinder aus 'schlechten' Schulen nehmen und es würden Schulen entstehen mit immer weniger Schüler, und meist aus den tiefsten sozialen Schichten. Das würde dem Grundsatz der Chancengleichheit widersprechen, und zudem zu grössten logistischen Problemen führen.
2) Schulen sollten sich auf die Bildung konzentrieren, und nicht auf den Wettbewerb zwischen den Schulen (Selbstdarstellung).
3) Das ökonomische Argument der Befürworter, dass die Schule ein Markt sei (Produkt: Bildung) und freie Märkte viel besser & effizienter funktionieren als regulierte ist nicht richtig, da die Bildung sehr stark staatlich reguliert wird. Und in solchen Umgebungen funktioniert ein freier Markt sehr schlecht oder überhaupt nicht (Stichwort: Einheits-Krankenkasse).

Es gibt aber auch Befürworter mit guten Argumenten:
- Die freie Schulwahl sollte doch ein liberales Anliegen sein?
- Und auch wenn die Unterschiede zwischen den Schulen steigt, ist das immer noch ein Fortschritt, falls das Gesamtniveau aller Schulen durch den freien Wettbewerb stark ansteigt.
- In einigen europäischen Ländern besteht die freie Schulwahl schon seit mehr als 100 Jahren mit guten Erfahrungen: Siehe Artikel von Mathias Rieder: "Die meisten Therapien werden überflüssig" ...
 
 
Ich habe im Tagesanzeiger einen interessanten Leserbrief gelesen den ich dem glpideenpool nicht vorenthalten möchte.

Stärkt die Volksschule.

Die freie Schulwahl ist kein Experiment! In Holland, Dänemark, Finnland und anderen europäischen Ländern besteht diese teilweise seit mehr als hundert Jahren. Kein Land will sie wieder abschaffen. Bei Annahme der Initiative erhalten nur jene Privatschulen Beiträge, welche gleich teuer sind wie die Staatsschulen. Alle anderen Privatschulen erhalten nichts. Damit kann die Öffnung der «Schere» der Zweiklassengesellschaft geschlossen werden. Dass es den Kanton mehr kosten würde, stimmt nicht, die Kosten nehmen ab. Heute betragen die jährlichen Ausgaben für sonderpädagogische Massnahmen mehr als eine halbe Milliarde Franken, allein im Kanton Zürich. 27 000 Schüler und Schülerinnen, das sind 20 Prozent, erreichen das minimalste Lernziel im Laufe der obligatorischen Schulzeit nicht. Dass die Ausgaben mit freier Schulwahl sich stark verringern und die Effizienz im Bildungswesen zunimmt, zeigen OECD-Studien. Vor allem wählbare Unterrichtsmodelle garantieren bedürfnisgerechte Beschulung. Damit werden die meisten Therapien überflüssig. Davon profitieren werden letztlich alle, denn das ist der Weg, der mehr Chancengerechtigkeit schafft und auch die unselige Reformitis und die Bevormundung der Eltern stoppt. Eine Öffnung aller Schulen hin zu mehr pädagogischem Wettbewerb wird der Volksschule nicht schaden, sondern wird sie stärken. Die freie Schulwahl wird kein Erdbeben auslösen, denn es gibt viele gute Lehrpersonen und Schulen, welche nichts zu befürchten haben.

Clarita Kunz, Herrliberg

Schulleiterin

«Die meisten Therapien werden überflüssig.»

Erstellt: 24.01.2012, 06:32 Uhr

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